Vom 26. – 30. August könnt Ihr auf der Gamescom in der Retro Area in Halle 10.2 eine Vorabversion der Ostfriesland Games in Form eines Arcade Automaten anspielen.
Dieses kleine Videospiel fängt in der Tradition der alten Sportspiele wie Summer Games oder Hyper Olympics, die großen ostfriesischen Sportarten Boßeln, Krabbelpulen, Schlickschlittenrennen, Pultstockspringen und die wichtige Teezeremonie ein.
Es transportiert die kulturelle Vielfalt von Ostfriesland, nimmt sich nicht zu ernst und haut auch eine ordentliche Priese ostfriesischen Humors raus.
Wir freuen uns auf Euch.
Euer Ostfriesland Games Team
(Ostfriesland Tourismus GmbH & m01n studios)
Dass Ostfriesland Games auch auf ostfriesischem Platt spielbar sein soll, stand für uns schon länger fest. Jetzt wird es langsam konkret. Heute waren Grietje und Vera vom Plattdüütskbüro der Ostfriesischen Landschaft bei uns, um das Spiel selbst zu testen und dabei den Übersetzungsumfang einzuschätzen. Also haben wir getan, was man in so einem Fall eben tut: zwei Sprachexpertinnen vor einen Arcade-Automaten gestellt und zugesehen, was passiert.
Noch während wir durch die ersten Menüs gingen, kamen von Grietje schon die ersten Gedanken zur Übersetzung. Was funktioniert direkt auf Platt, was braucht eine andere Formulierung und was lässt man vielleicht lieber wie es ist?
Also wurde gespielt, ausprobiert und nebenbei immer wieder über einzelne Formulierungen gesprochen. Und ziemlich schnell war klar, dass Grietje und Vera nicht nur einen guten Blick auf die Sprache haben, sondern auch ordentlich Spaß am Spiel. Was für uns natürlich besonders schön war.
Digital nimmt Ostfriesland Games erstaunlich wenig Platz ein – ungefähr 250 mb.
Im echten Raum sieht die Sache inzwischen anders aus: Unser Spiel ist fast zwei Meter hoch und unfassbar schwer.
Aber ein Spielautomat hat einen ziemlich klaren Vorteil gegenüber einem normalen Rechner: Niemand muss erklärt bekommen, was er damit machen soll. Man sieht Joystick, Knöpfe, Bildschirm und weiß sofort, dass man irgendetwas drücken darf. Genau dieses Gefühl wollten wir bei unserem Automaten auch haben.
Für die Beklebung haben wir unsere Spielwelt einmal nach außen gekehrt. Landschaften, Watt, Himmel und kleine Details erscheinen jetzt auf dem Gehäuse und machen aus dem weißen Kasten endlich etwas, das zu Ostfriesland Games gehört.
Wenn man ein Gebäude jeden Tag sieht, glaubt man ziemlich genau zu wissen, wie es aussieht. Bis man versucht, es mit sehr wenigen Pixeln nachzubauen.
Plötzlich merkt man: Es sind gar nicht nur die 28 Fenster. Es ist vielleicht das Dach. Oder ein Turm. Oder dieser eine merkwürdige Anbau an der Seite, den man vorher nie bewusst wahrgenommen hat. Genau das passiert gerade ziemlich oft bei uns.
Für Ostfriesland Games bauen wir echte Orte und Wahrzeichen aus der Region in unsere Spielwelt ein. Dafür nehmen wir Fotos als Vorlage und reduzieren so lange, bis eigentlich fast nichts mehr übrig ist. Doch je weniger Pixel man hat, desto wichtiger wird jeder einzelne davon.
Beim Schloss Evenburg zum Beispiel ist schnell klar, warum man es erkennt: die helle Fassade, die vielen Spitzen und der markante Turm in der Mitte. Würde man versuchen, wirklich jedes Fenster und jedes Detail unterzubringen, wäre davon im Spiel am Ende vermutlich vor allem eins übrig: ein bunter Haufen an Pixeln. Also fliegt einiges raus.
Das Interessante daran ist, dass eine reduzierte Version manchmal sogar näher am eigenen Bild eines Ortes ist als ein detailgetreuer Nachbau. Wir erinnern uns nämlich auch nicht an jedes Fenster. Wir erinnern uns an Formen, Farben und ein paar Besonderheiten.
Bei Ostfriesland Games nimmt gerade ein neues Projekt Form an: ein eigener Videospielautomat. Den Anfang macht das Gehäuse – die äußere Hülle, in der später alles zusammenkommt. Für uns ist das ein schöner erster Schritt und ein kleiner Meilenstein auf dem Weg zum fertigen Automaten.
Die Gehäuse stammen von Oliver Knagge vom Deutschen Videospielmuseum, der sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Insgesamt sind es zwei Automatengehäuse, eines in Rot und eines in Weiß. Auf dem Bild ist das weiße Modell zu sehen, das gerade bei uns steht und darauf wartet, mit Leben gefüllt zu werden. Solange Bildschirm und Technik noch fehlten, übernahm Elfi kurzzeitig die Rolle des Innenlebens per Puppentheater. Charmant, aber auf Dauer wahrscheinlich kein tragfähiges Betriebskonzept.
Ich bin Tim und mache die ganzen unsichtbaren Dinge um die vielen schönen Pixel, die Elfi mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt. Ich programmiere die Spielmechanik für Ostfriesland Games.
Unsere Plattform ist die Unity Engine, programmiert wird in C# unter MacOS. Gleich zum Launch des Spiels wird es eine Mac, Windows und Linux Version des Spiels geben, die es dann sowohl hier auf der Webseite geben wird, als auch bei Steam.
35.773 Zeilen C# in 118 Dateien sind bisher schon entstanden.
In den nächsten Wochen werde ich ein paar Details aus der Entwicklung herauspicken und Euch ein paar kreative Lösungen von Problemen vorstellen, auf die wir im Verlauf der Entwicklung gestossen sind.
Ich bin Elfi und kümmere mich bei Ostfriesland Games um die Gestaltung. Also um Landschaften, Gebäude, kleine Objekte, Charaktere und all diese kleinen visuellen Entscheidungen, die am Ende hoffentlich dafür sorgen, dass das Spiel nach Ostfriesland aussieht und sich auch so anfühlt. Ich mag es total, mein Zuhause durch dieses Projekt noch mal anders anzuschauen. Dinge, an denen man sonst einfach vorbeifährt, sind auf einmal wichtig. Wallhecken, Gräben, Deiche, Backsteinhäuser, Schleusen, Straßenränder. Alles bekommt plötzlich eine Bedeutung. Man merkt dann schnell, dass jedes Objekt bestimmte Eigenheiten hat. Proportionen, Farben, Formen, kleine Details.
Irgendwas daran sorgt dafür, dass es nach hier aussieht. Bei Pixelgrafik muss man vieles weglassen. Und genau dadurch schaut man viel genauer hin. Man kann sich nicht in Details retten, weil der Platz dafür einfach nicht da ist. Also muss man entscheiden: Was ist wirklich wichtig? Welche Form bleibt? Welche Farbe macht die Stimmung? Und wie viele Pixel braucht eine Wallhecke, bis sie wirklich wie eine Wallhecke wirkt? Besonders spannend finde ich das bei sehr kleinen Objekten.